Bio-Siegel im Überblick
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Alles bio, oder was? Bio-Siegel im Überblick

 

Seit Mitte 2012 ist das EU-Bio-Siegel im Umlauf. Gemeinsam mit dem staatlichen deutschen Siegel soll es für Einheitlichkeit und Transparenz im Öko-Siegel-Wald sorgen. Aber was bedeuten die Siegel eigentlich? Und wann macht „bio“ eigentlich Sinn?

Schon seit 2001 prangt das sechseckige Logo des staatlichen Bio-Siegels in Deutschland auf Wurst und Käse, Fleisch und Müsli. Seit Juli 2012 gibt es dazu auch das EU-Bio-Siegel: zwölf Sterne auf einem geschwungenen, grünen Blatt. Beide Siegel sagen im Grunde das Gleiche aus. Berlin war lediglich schneller als Brüssel.

Was bedeutet bio?

Früher hieß bio oder öko schlicht und ergreifend, dass das Produkt ganz natürlich hergestellt war. Die Grenzen sind aber verschwimmend. Darum hat die EU klare Richtlinien für das Bio-Siegel festgelegt: Die Inhaltsstoffe der Lebensmittel, die eines der beiden Siegel tragen, müssen zu 95 Prozent aus einem zertifizierten Öko-Landbau stammen. Das bedeutet unter anderem, dass nur bestimmte Pflanzenschutzmittel und Dünger zum Einsatz kommen. Geschmacksverstärker, künstliche Aromen oder Farbstoffe dürfen nicht enthalten sein. Und maximal 0,9 Prozent des Produktes darf aus gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen sein.

Siegelalarm: Bio, regional oder Fairtrade?

Abgesehen von den Bio-Siegeln findet man auf Lebensmitteln auch Hinweise auf regionale Produkte. Das hat mit den Bio-Standards an sich erst einmal nichts zu tun, wobei der gemeinsame kleine Nenner der Nachhaltigkeitsaspekt ist: Regionale Produkte haben einen geringeren CO2-Abdruck, weil die Transportwege kürzer sind. Wobei sich auch das verändert, wenn beispielsweise regionale Äpfel vor dem Verkauf lange im Kühlhaus lagern. In punkto Nachhaltigkeit sind saisonale, regionale Lebensmittel daher optimal.

In Baden-Württemberg gibt es seit 2002 übrigens ein eigenes Siegel, das Bio-Standards mit Regionalität verbindet. Die Produktionsvorgaben sind hier sogar noch strenger als beim Bio-EU-Siegel. Und auch das Fairtrade-Siegel zieht nach: Ging es in den frühen Jahren ausschließlich darum, die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen der Produzenten vor Ort zu verbessern, nehmen bei dem Sozialsiegel heute auch ökologische Standards einen hohen Stellenwert ein. Mittlerweile sind 52 Prozent der Fairtrade-Produzentenorganisationen zusätzlich Bio-zertifiziert.

Bio-Siegel im Discounter

Discounter wie Aldi, netto oder Penny sind ebenfalls längst ins Bio-Geschäft eingestiegen. Von allen Lebensmitteln mit Bio-Siegel werden die wenigsten im klassischen Biomarkt eingekauft. Ein Großteil geht über die Supermärkte und Discounter in die deutschen Küchen. Trotzdem sind viele Menschen skeptisch: Kann bio denn so günstig sein?

Fakt ist: Wenn ein deutsches oder europäisches EU-Siegel aufgedruckt ist, müssen die Vorgaben eingehalten werden. Dabei ist es irrelevant, in welchem Markt und zu welchem Preis das Produkt über die Ladentheke geht. Allerdings macht die EU eher Mindestvorgaben. Bei sogenannten Premium-Bio-Siegeln wie Demeter, Naturland oder Bioland sind die Anbaubedingungen deutlich strenger. So darf beispielsweise ausschließlich Ökolandwirtschaft betrieben werden. Das EU-Siegel hingegen erlaubt ein Nebeneinander von biologischer und konventioneller Erzeugung auf einem Hof. Auch für die Fütterung von Tieren gibt es bei den Premium-Siegeln ganz andere Richtlinien.

Kann man Bio eigentlich schmecken?

Häufig wird diskutiert, ob Bio-Produkte wirklich besser schmecken, als ihre herkömmlich angebauten Artgenossen. Zwar belegen Tests in Kindergärten, dass gerade Kleinkinder Bio-Gemüse aufgrund des intensiveren Geschmacks lieber mögen, viel wichtiger ist allerdings die Frage der Gesundheit.

Pestizide sind der Übeltäter

Obst und Gemüse sind häufig starker Pestizidbelastung ausgesetzt. Bei Weintrauben beispielsweise geht man von bis zu 26 nachweisbaren Pestizidrückständen aus. Laut der Lebensmittelüberwachung und dem Öko-Monitoring von Baden-Württemberg sind bei Bio-Lebensmitteln lediglich Spuren von Pestiziden nachweisbar: etwa 0,011 Milligramm pro Kilogramm. Bei konventionellen Lebensmittel ist die Belastung dagegen etwa 80-mal so hoch.

Allerdings sind nicht alle konventionell produzierten Lebensmittel automatisch kontaminiert. Es gibt Obst- und Gemüsesorten, bei denen die Belastung generell eher gering ist. Bei anderen lohnt es sich, etwas tiefer ins Portemonnaie zu greifen und Produkte aus ökologischem Landbau zu kaufen.

Saubere und schmutzige Lebensmittel

Die Environmental Working Group (EWG), eine US-Umweltorganisation, hat eine Liste der am stärksten belasteten Obst- und Gemüsesorten herausgegeben, das sogenannte „Dreckige Dutzend“. Ihr Gegenpol sind die „Sauberen 15“. Hier ist die Pestizidbelastung auch ohne Bio-Siegel nicht sehr stark.

Das „Dreckige Dutzend“ sind Äpfel, Sellerie, Paprika, Pfirsiche, Erdbeeren, Nektarinen, Trauben, Spinat, Salat, Blaubeeren, Salatgurken und Kartoffeln.

Zu den „Sauberen 15“ zählen Zwiebeln, Zuckermais, Ananas, Avocados, Weißkraut, Erbsen, Spargel, Mangos, Auberginen, Kiwis, Butter- und Wassermelonen, Süßkartoffeln, Grapefruits und Pilze.

Bei dem „Dreckigen Dutzend“ lohnt es sich daher ganz besonders, auf Bio-Produkte zurückzugreifen. Bei den „Sauberen 15“ ist auch die herkömmliche Produktion meist zufriedenstellend.

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