26 Lesern gefällt das

Natürlich über den Ozean

 

Wusstet Ihr, dass mehr als 90 % des Welthandels über Containerschiffe abgewickelt werden? Und dass die Containerschifffahrt mehr CO2 ausstößt wie die gesamte Bundesrepublik, die unter den Emittenten der Welt Platz 6 belegt? Mit seinem Frachtsegler Avontuur nimmt Kapitän Cornelius Bockermann Kurs auf die Zukunft: Er transportiert Waren klimafreundlich per Wind.

Aber nicht alle Waren, sondern ausschließlich biologische und nachhaltige Produkte. „Was bringt es großartig, wenn ich die Heidelbeeren in Argentinien biologisch anbaue mit tollstem sozialen Hintergrund, die fair bezahle und dann in ein Flugzeug stecke, nach hier fliege und im Supermarkt verkaufe. Alles, was ich da gut gemacht habe, habe ich dann durch den Flug wieder kaputt gemacht,“ erklärt der 58-jährige Bockermann. Als Reeder führte er selbst lange Zeit Schwertransporte für die Öl-Industrie aus und barg unter anderem Schiffswracks vor der afrikanischen Küste. Mit diesem Geschäft verdiente er viel Geld. Es machte ihm aber auch bewusst, welche Auswirkungen die weltweite Transportschifffahrt auf die Meere hat. Heute hat er eine klare Mission: Er will Produzenten, Händler und Konsumenten zusammenzubringen, die ökologisch denken und handeln und auf diese Weise den Wandel zur sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit in die Schifffahrtsindustrie bringen – zum Schutz der Umwelt und für die nachfolgenden Generationen.

Die Avontuur transportiert klimafreundlich

Denn was wir heute tun, bestimmt wie wir morgen leben

Die aktuell mehr als 51.000 Frachtschiffe weltweit sind mit Abstand die größten Verschmutzer im Transportsektor. Ein einziger motorgetriebener Ozeanriese produziert auf seiner Reise so viele Schadstoffe, wie fünf Millionen Autos auf gleicher Strecke. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Die letzte IMO (International Maritime Organization) Studie geht davon aus, dass bis 2050 der CO2-Ausstoß der internationalen Schifffahrtsindustrie um 50 bis 250 % steigen wird, abhängig vom lokalem Wirtschaftswachstum und den technologischen Entwicklungen hinsichtlich des Verbrauchs fossiler Brennstoffe.

Nicht genug: Neben dem CO2 werden von der Welthandelsflotte massenhaft Stickoxide, Feinstaub, Ruß und Schwefeldioxide ausgestoßen. Mit mehr als 20 Millionen Tonnen Stickoxid (NOx) übertrifft die Schifffahrt den Luftverkehr um das Zehnfache und mit rund 12 Millionen Tonnen Schwefeldioxid (SO2) sogar um das Hundertfache – das sind die Daten der SeaKLIM Studie des Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt.

160 Freiwillige aus aller Welt halfen, den alten Segler wieder flott zu machen

Quelle: timbercoast.com

Cornelius Bockermann rief deshalb das Projekt Timbercoast ins Leben, um das 1920 gebaute Frachtsegelschiff Avontuur wieder fit für den Seehandel zu machen. Die Begeisterung war so groß, dass sich hunderte Freiwillige aus der ganzen Welt anschlossen, um in der Elsflether Werft an der Weser anzupacken und zu helfen – für jeden Tag Arbeit gab es einen Tag an Bord des mit Solarmodulen ausgestatteten Gaffelschoners. Die Avontuur ist 44 m lang und hat eine Ladekapazität von 114 Tonnen, eine Nussschale im Vergleich zu den riesigen Containerschiffen. Aber eben durch und durch ökologisch. Die Gesamtkosten des Umbaus sind laut Bockermann von anfänglich 680.000 Euro auf 1,4 Millionen Euro gestiegen. Bockermann hat einen großen Teil Eigenkapital investiert, weitere Gelder hat er unter anderem durch den Verkauf von Schiffsbeteiligungen akquiriert.

An Bord: biologische Waren, eine erfahrene Crew und Menschen wie du und ich

Nachhaltiger Frachttransport

Quelle: timbercoast.com

Bis zu zehn interessierte Seglerinnen und Segler können auf der Avontuur Abenteuer erleben und verantwortungsvolle Schifffahrt erlernen – ganz gleich, ob blutiger Anfänger oder erfahrener Routinier. Damit geben auch die Trainees Herstellern und Händlern die Chance, sich mit klimaneutral gesegelten Waren von der Masse abzuheben. Die Nachfrage ist da: Die Fairtrade- und Biobewegung ist in den letzten Jahren massiv gewachsen und das Verlangen der Kundinnen und Kunden nach mehr Nachhaltigkeit ist unaufhaltbar. Wenn aber beim Verbrauch von Gütern die regionale Produktion an ihre Grenzen kommt, dann sollte wenigstens das biologische Erzeugnis auf nachhaltigem Wege zum Verbraucher gelangen. Im Verbund mit der „Sailing Cargo Alliance“ wollen Cornelius Bockermann und sein Team eine moderne, nachhaltige Transportalternative etablieren – und den Segelfrachttransport wiederbeleben. Und das innerhalb einer Industrie, die sich bisher nicht den strengen Standards stellen musste, mit denen sich die Energieverbraucher an Land schon lange konfrontiert sehen.

Ihr möchtet die Avontuur unterstützen? Nichts leichter als das

Zum Beispiel könnt Ihr selbst an Bord anheuern und gegen Geld Abenteuer erleben und die nachhaltige Schifffahrt erlernen. Alle Infos dazu findet Ihr hier: https://timbercoast.com/trainees. Spenden könnt Ihr über die Webseite übrigens auch. Oder Ihr gönnt Euch biozertifizierten Slokoffie aus 100 % Arabica-Bohnen, die in Honduras von Hand geerntet von der Avontuur nahezu klimaneutral nach Bremen gesegelt wurden. Zu kaufen gibt’s ihn hier: www.slokoffie.de. Dem Frachtsegler virtuell folgen könnt Ihr im Blog: https://timbercoast.com/en/blog.

26 Lesern gefällt das

4 Kommentare

Elke Geist

GROSSARTIG! Eine WUNDERBARE Initiative, der ich ALLEN ERFOLG wünsche!

21 grad Redaktion

Hallo Elke,

vielen Dank für Deinen Kommentar!
Uns freut es, dass Dir die Aktion gefällt.

Liebe Grüße
Dein 21 grad Team

Jens Ottow

Bin auf der Alexander von Humboldt (I) gesegelt und habe den Container- und Tankerverkehr in der Strasse von Malakka gesehen. Eine tolle Initiative. Es muss sich etwas ändern. Das ist nicht (nur) Romantik, das ist Notwendigkeit.

21 grad Redaktion

Hallo Jens,

vielen Dank für Deinen Kommentar.
Das sehen wir genauso wie Du!

Viele Grüße
Dein 21 grad Team

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.