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Zero-Trash-Experiment: Eine Woche ohne Müll

 

Mit 617 Kilogramm Müll pro Kopf und Jahr produziert jeder Deutsche gut 130 Kilo mehr Abfall als andere EU-Bürger im Durchschnitt. Grund genug, einmal den Selbstversuch zu wagen: sieben Tage so müllfrei wie möglich zu leben.

Da man ja immer erst einmal bei sich selbst beginnen sollte, verschone ich meinen Mann und meine Kinder. Bereits an Tag Eins meines Selbstversuches begrüßen mich morgens Verpackungen: die Zahnpastatube, das Duschgel, die leere Salatplastikschachtel auf dem Küchentisch. „Das fängt ja gut an“, denke ich mir, und: „Das ist ja völlig unrealistisch!“. Ich kapituliere bereits jetzt zu Teilen und beschließe: Ich fange nicht an, mir Kosmetik selbst zu mischen. Und nein, ich werde nicht auf Klopapier verzichten. Aber: Ich greife zum Seifenstück und spüle die Salatschachtel aus. Für’s Büro packe ich vorsorglich ein paar Frischhaltebeutel ein. Mittagszeit, der Brötchenmann schaut vorbei. Ich hole mir einen Teller aus der Küche und kaufe ein Croissant ohne Pappteller und Serviette, den frischen O-Saft im Plastikbecher verkneife ich mir. Erste verwunderte Blicke von Kollegen. Als Nachtisch schnappe ich mir ein Glas, springe zum Smoothie-Laden und lasse mir ein Getränk abfüllen. Eh ich mich versehe, steckt ein Strohhalm mit drin. Verdammt.

Die nächsten Werktage fällt alles noch recht leicht. Ich lebe von unseren Vorräten zuhause. Sobald etwas leer ist, spüle ich es. Angesichts des kleinen Plastikbehälter-Bergs frage ich mich allerdings schon: Das geht auf Dauer nicht. Und erst recht nicht bei vier Personen. Soviel Plastik, wie wir verbrauchen, können wir im Haushalt gar nicht wiederverwenden. Außerdem stelle ich fest, dass die Müllvermeidung ins Geld geht. Food to go ist tabu, ich esse jetzt jeden Mittag auswärts. Mich beschleicht außerdem das Gefühl, dass ich es mir zu einfach mache: Reste kommen in den Biomüll, nicht in den Kompost – den gibt es nämlich nicht im Garten. Die Tafel Schokolade wird einfach gegessen und die Verpackung fein säuberlich gefaltet (für welche Gelegenheiten eigentlich?).

An Tag 6, Samstag, schlägt schließlich die Stunde der Wahrheit. Mit Jutebeutel ausgestattet betrete ich wild entschlossen den Supermarkt. Es ist so, wie ich es befürchtet habe. Obst und Gemüse wandern in die Tasche und Getränke in Mehrwegverpackungen. Kein Käse, kein Brot, kein Joghurt. Nichts in Glas gefülltes. Und wie umweltschädlich ist eigentlich Pappe? Ich bin mir nicht sicher, verzichte auf neue Nudeln und koche mit den restlichen Kartoffeln und Möhren zuhause einen Eintopf. Der schmeckt zwar nicht schlecht, meine Familie reiße ich damit aber nicht vom Hocker. Die Würstchen von der Fleischtheke fehlen…Diese konnten mir aus hygienischen Gründen nicht ohne Verpackung verkauft werden. Schade eigentlich! Sonntag ziehe ich Bilanz: Wer gut plant, Behälter und Taschen dabei hat, lose Lebensmittel einkauft, kann Verpackungen vermeiden und sich nach Absprache Dinge auch abfüllen lassen. Ganz verpackungsfrei wird schon schwieriger: Der nächste plastikfreie Laden in Bonn ist 70 Kilometer entfernt. Aber es gibt Hoffnung. Per Crowdfunding hoffen auch Ökopioniere in Köln auf ihr grünes Start-up. Ich wäre einer der Gäste! Und bis dahin lege ich mir eine schicke Sammlung an Jutebeuteln zu.

10 Tipps für weniger Müll

1. Weniger ist mehr
Vermeidet Lebensmittel, die in Portionen abgepackt sind, viel Luft enthalten und aus Mischstoffen wie Pappe mit Plastikfenster bestehen. Letztere landen nämlich automatisch in der Müllverbrennung.


2. Mehrweg!
Eine Wasser-Mehrwegflasche wird in der Regel über 50-mal wiederbefüllt. Setzt daher auf Mehrweg – sowohl aus Glas als auch aus Plastik.


3. Keine Angst vor Jute
Rund 200 Plastiktüten verbraucht ein Europäer durchschnittlich pro Jahr. Eine gute Alternative zur schwer abbaubaren Kunststoffverpackung sind Stoffbeutel, Netze und Einkaufskörbe.


4. Revival der Thermoskanne
Der Coffee-to-go-Becher landet postwendend im Müll. Dabei geht es so leicht: Einfach einen eigenen Becher oder eine Thermoskanne anschaffen und befüllen lassen.


5. Bioabfälle zu Dünger machen
Bioabfälle gehören in den Kompost: Dort werden sie zu Humus verarbeitet, dem idealen Dünger für Pflanzen. Kompostieren geht übrigens auch auf kleinem Raum. Mittlerweile gibt es zahlreiche Anleitungen für Balkonkomposter. Bekommt der Behälter genügend Luft und steht er auf wasserdurchlässigem Untergrund, entstehen auch keine Gerüche.


6. Qualität statt Quantität
Qualität zahlt sich aus: Egal ob TV, Smartphone oder Schuh – hochwertige Konsumgüter halten deutlich länger. Wer beim Einkauf auf Qualität achtet, der kann jede Menge Müll vermeiden und spart sich Geld für einen nötigen Neukauf. Noch ein Grund für gute Qualität: Reparaturen lohnen sich meist bei Billigartikeln nicht und so werden sie einfach in den Müll geworfen.


7. Leihen, Mieten, Tauschen
Vor dem Kauf von Dingen am besten kurz innehalten: Lohnt sich die Anschaffung? Wie oft brauche ich den Gegenstand? Maschinen lassen sich zum Beispiel im Baumarkt mieten, Bücher, CDs und DVDs gibt’s in der Bibliothek und Spiele, Kleidung und Kleinkram können getauscht werden. Bekannte Tauschplattformen sind neben www.ebay.de, www.dietauschboerse.de, www.tauschticket.de


8. Aus alt mach neu
Taschen aus alten Schläuchen, Möbel aus alten Weinkisten oder Vasen aus hübschen Glasflaschen – nur drei Beispiele für Upcycling, dem Aufwerten von Müll. Einfach vor dem Wegwerfen überlegen, ob man auch kreativ werden kann. Oder sich in einem der Online-Shops umsehen. Hier gibt es einen Überblick.


9. Nein zu Prospekten
Jeden Samstag wandert die Supermarktreklame vom Briefkasten direkt ins Altpapier. Ein Aufkleber „Keine Werbung“ reduziert auf Dauer den Papierverbrauch – wenn Unternehmen ihre Auflage senken.


10. Schenken macht nicht nur Freude…
… sondern auch Sinn. Spendet Dinge an die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie gemeinnützige Organisationen wie www.oxfam.de, oder Flüchtlingsprojekte wie http://ichhelfe.jetzt/sachspende oder http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de/spenden/sachspenden/. Die meisten Projekte, die Sachspenden für Flüchtlinge annehmen, sind allerdings regional organisiert.

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2 Kommentare

doris Jenke

Ich finde das das hier schonmal ein Anfang ist. Es gibt viele Seiten die nützliche TIPS enthalten wie man Müll veehindern kann. Eine Sammelstelle in der alle Tips lwicht zu erreichen sind würde Sinn machen. So muss man nicht stubdenlang virm Pc oder handy sitzen und sich mühsam alles zusmmensammeln. Dann bleibt mwhr zeit für die Umsetzung des eigentlichen Anliwgens und es wied zudem nich steo gespart.

21 grad Redaktion

Hallo Frau Jenke,

vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Anregung.
Diese nehmen wir gerne mit in unsere Redaktionssitzung.

Viele Grüße
Das 21 grad Team

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