Fachkräftemangel, die Talentsucher
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Die Talentsucher

 

Fachkräftemangel betrifft nicht nur den deutschen Mittelstand, sondern auch das Heizungsfachhandwerk. Doch das ist kein Grund zur Resignation: Diese drei Partner von Vaillant setzen auf unterschiedliche Strategien, um Personal und Nachwuchskräfte zu gewinnen.

Karin Natelberg, zuständig für die Personalarbeit der Natelberg Gebäudetechnik GmbH, Rhauderfehn

Karin Natelberg, Natelberg Gebäudetechnik GmbH„Wir beobachten, dass immer weniger junge Menschen Anlagenmechaniker, Elektroniker und Fachlagerist werden möchten. Das liegt in unserem Fall vor allem an der Konkurrenz aus der Industrie. Wir betonen daher die aussichtsreichen Aufstiegschancen. Wer sich spezialisiert, kann in der Branche auch ohne Meister gut verdienen. Außerdem setzen wir auf Präsenz in der Region: Wir zeigen uns auf Ausbildungsmessen, beim Girls’Day und kooperieren mit Kommunen in Holland. Und wir haben gemeinsam mit Vaillant eine Schulkooperation für Kompetenzpartner mitentwickelt. Unternehmer wie wir präsentieren gemeinsam mit der Deutschen Umwelt-Aktion Heiztechnik einmal ganz anders: Real- und Hauptschüler der Abschlussklassen bauen selbst Solarkollektoren, erfahren Wissenswertes in einem Quiz und sehen an einem Miniaturmodell, wie ein Blockheizkraftwerk funktioniert. Mitmachen hat sich für uns in jedem Fall gelohnt: Durch die Schulbesuche haben wir zwölf Praktikanten und drei Azubis gewonnen.“

Edgar Claassen, Inhaber und Geschäftsführer Claassen GmbH, Kleve

Erdgar Claasen„Von unseren 20 Mitarbeitern wird in den nächsten Jahren etwa ein Drittel in Altersteilzeit gehen. Das heißt, wir müssen neue Fachkräfte für uns gewinnen. Doch qualifizierte Bewerber zu finden, ist nicht mehr so leicht wie früher. Die Ansprüche der Einsteiger sind gestiegen. Um sieben Uhr möchten nur noch wenige auf dem Bau stehen. Andere wissen gar nicht, was sie im Beruf erwartet. Wir zeigen, womit sich das SHK-Handwerk beschäftigt und dass es aus viel mehr besteht als dem Klischee. Das tun wir zum Beispiel bei der Klever Nacht der Ausbildung: Mein Team und ich geben für ein paar Stunden einen Einblick in unseren Arbeitsalltag. Am Laptop erläutern meine Azubis dann in 3-D, wie ein Blockheizkraftwerk-Motor funktioniert. Die Jugendlichen sind erstaunt und begeistert, wenn sie erfahren, wie viel Hightech in unserem Beruf steckt. Damit müssen wir punkten!“

Hans-Otto Nöhren, Inhaber der Otto Nöhren & Sohn GmbH & Co. KG, Horst

Hans-Otto-Nöhren„Durch den Fachkräftemangel ist mein Betrieb internationaler geworden. Schon vor ein paar Jahren habe ich zwei junge Männer aus Mazedonien und Kirgisien ausgebildet, die heute als Gesellen bei mir arbeiten. Jetzt kombiniere ich die Nachwuchsgewinnung mit persönlichem Engagement: Einmal die Woche gebe ich Flüchtlingen Deutschunterricht und helfe ihnen dabei, schneller Anschluss und Arbeit zu finden. Wer das Bleiberecht erhält, kann in Absprache mit den Behörden ein vierwöchiges Praktikum in meinem Betrieb machen. Derzeit lernt ein junger Syrer bei mir den Alltag eines Anlagenmechanikers kennen. Sobald sein Deutsch besser ist, kann ich mir auch gut vorstellen, ihn auszubilden. Mir ist es wichtig, dass wir uns neuen Wegen öffnen, an Fachkräfte zu gelangen.“

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15 Kommentare

Edgar Claassen

Sehr schöne Berichte!!

Christian Peters

Wollen eben auch nicht alle für 8,50€ arbeiten.

21 grad Redaktion

Hallo Christian,

vielen Dank für Deinen Kommentar. Es ist schwierig, dies so zu verallgemeinern. Qualifizierte Nachwuchskräfte sind in vielen Betrieben sehr gefragt und haben deshalb oft gute Chancen sich weiterzuentwickeln. Abhängig von der Entwicklung ist dementsprechend auch, wie viel man in diesem Bereich verdienen kann. Grundsätzlich ist es in jedem Falle ein sehr abwechlungsreiches und spannendes Berufsfeld, das viele Möglichkeiten bietet.

Liebe Grüße
Das 21 grad Team

Christian Peters

Spannend und abwechslungsreich ist der Beruf auf jeden Fall. Die Aufgaben machen auch sehr viel Spaß u.s.w.
Nur steht Aufwand und Ertrag im Handwerk nicht im besten Verhältnis.
Und wie Frau Natelberg schon anführte , ist da die Industrie schon ein wenig attraktiver.

D. Bake

Ich denke, hier sind die Geschäftsführer gefragt!
Ehrliche Arbeit – Gerechter Lohn!
Nur so kann es funktionieren.
Die Arbeitnehmer müssen gefördert und gefordert werden, die Chefs müssen Verpflichtungen probeweise an die Gesellen abgeben, dann dies bei gelingen entlohnen.

Ich -Geselle im SHK-Handwerk-, bin vom Handwerk, aufgrund jahrelanger Unzufriedenheit, in die Industrie gewechselt.
Dort musste ich enttäuscht feststellen, dass dort nicht nur Honig und Milch fließen.
Dann fand ich einen Handwerks-Betrieb, bei dem ich bisher glücklich bin. Eine gute Personal- und Geschäftspolitik ist alles.
Auch wenn sie immer ausbaufähig bleibt…

Mit kollegialen Grüßen
D. Bake

21 grad Redaktion

Hallo Herr Bake,

vielen Dank für das Teilen Ihrer Erfahrungen. Wie in anderen Branchen, gibt es natürlich auch im SHK-Handwerk Unterschiede zwischen den Unternehmen, wie man an Ihrem Beispiel sieht. Wir freuen uns, dass Sie jetzt mit Ihrem Arbeitgeber zufrieden sind!

Liebe Grüße
Das 21 grad Team

Andre Gratopp

Ich habe den Beruf Installateur und Heizungsbauer gelernt und bin ihm treu geblieben. Aus meiner Sicht ist das der beste Job der Welt. Es gibt keinen Handwerksberuf der abwechslungsreicher und anspruchsvoller ist als meiner! In meinen bis jetzt 23 Berufsjahren habe ich so viele verschiedene Menschen kennen gelernt, habe so viele zum Teil unlösbar erscheinenden Aufgaben gelöst. Das ist ein richtiger Job für Männer! Technik, Kraft, Ausdauer, Durchsetzungsvermögen u. v. m. Leider gibt es nicht mehr so viele „Echte Männer“ die bereit sind auch mal an ihre Grenzen zu gehen. Viele gehen lieber den Weg des geringsten Wiederstandes.

21 grad Redaktion

Hallo Herr Gratopp,

schön, Ihre Begeisterung für diesen Beruf zu sehen. Das ist sicherlich eine Motivation für potenzielle Nachwuchskräfte.

Vielen Dank für Ihren Beitrag und liebe Grüße
Das 21 grad Team

Markus Rieger

Ich würde mir wünschen, daß Jugend & Handwerk wieder näher zusammenrücken würden. Leider höre ich in meiner Umgebung eher das Gegenteil. Schuldzuweisungen und prospektlastige, bunte Kampagnen bringen uns hier nicht weiter. Es muß endlich etwas getan werden. Von den Schulen, Unternehmen und Innungen. Dem Nachwuchs Perspektiven aufzuzeigen ist unsere Aufgabe. Unsere Branche (SHK) ist wirklich eine der innovativsten und abwechslungreichsten im Handwerksbereich. Da sollte es doch möglich sein wieder Nachkommen heranzuziehen und qualifiziert auszubilden. Markus Rieger

21 grad Redaktion

Hallo Herr Rieger,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben vollkommen recht. Hier sollten alle Hand in Hand arbeiten, um das gesamte Potenzial auszuschöpfen.

Viele Grüße
Das 21 grad Team

Stefan Eiken

Trotz des Mangels ist es eher schwierig in den Bereich hinein zu kommen. Ich habe die BFS Wirtschaft (Höhere Handelsschule) absolviert, eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik, habe die Fachhochschulreife durch die Fachoberschule Technik erworben und studiere derzeit nebenberuflich Energieverfahrenstechnik. Hauptberuflich würde ich gerne im Bereich SHK tätig werden. Da ich bisher leider kein interessiertes Unternehmen an meiner Person gefunden habe bin ich derzeit als Bauarbeiter tätig.

21 grad Redaktion

Hallo Herr Eiken,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben Recht, regional gibt es sicherlich Unterschiede in der SHK-Brache.
Mit Ihrer beruflichen Weiterbildung sind Sie dabei auf dem richtigen Weg.
Gerne können Sie in unserer Partner-vor-Ort Suche nach Fachpartner in Ihrer Nähe suchen. Eventuell ist hierbei ja ein passender Arbeitgeber dabei.

Viele Grüße
Das 21 grad Team

Manfred Stevermüer

Ich bin ähnlicher Meinung wie Frau Natelberg. In unserer Region gehen die Schulabgänger, wenn sie überhaupt eine Ausbildung beginnen eher in die Industrie.
Das ist hier der Chemiepark und war in der Vergangenheit der Bergbau. Nach Schließung der Zechen hatte ich gehofft, dass ein Wandel eintreten würde. Dem war aber nicht so. Es scheitert schon an der Ausbildungsvergütung. Freiwillige Aufschläge haben als Lockmittel auch nicht gewirkt. Also habe ich versucht Imagepflege zu betreiben. Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ist nicht mehr gleichzusetzen mit Gas-Wasser-Scheiße. Aber wir kommen von dem alten Image nicht weg.

Hubert Burrichter

Sehr schöne Berichte aus Rhauderfehn…

21 grad Redaktion

Hallo Hubert,

vielen Dank für Deinen Kommentar.

Uns freut es, dass Dir der Artikel gefällt!

Liebe Grüße
Anna vom 21 grad Team

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