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Status quo der Wärmewende: historische Funde in deutschen Heizungskellern

 

Deutschland hat sich viel vorgenommen: Bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um bis zu 95 Prozent sinken. Der Wärmemarkt spielt dabei eine große Rolle. Doch bisher hapert es an der Umsetzung – deutsche Heizungskeller gleichen einem technischen Seniorenheim. Woran es liegt beleuchten wir in diesem Text.

Etwa 17 Jahre – das ist nach wie vor das durchschnittliche Alter von Heizgeräten in Deutschland. Das heißt: Rund zwei Drittel der Technik sind veraltet und verbrauchen nicht nur mehr Energie, sondern weisen auch höhere CO2-Emissionen auf. Ungefähr drei Viertel aller Hausbesitzer heizen nach wie vor mit den fossilen Brennstoffen Öl oder Gas. Und ein Blick auf die aktuellen Marktdaten genügt, um zu sehen, dass die Wärmewende stockt. Bis auf die Wärmepumpe, die 2016 um 17 Prozent zulegte, sind die Erneuerbaren laut BDH alles andere als auf dem Vormarsch. Der Anteil der thermischen Solaranlagen schrumpfte im Vorjahr um acht Prozent, die Biomassekessel verloren vier Prozent, Gas und Öl haben hingegen zugelegt mit plus vier und plus zwölf Prozent. Zwar müssen Neubauten aufgrund der verschärften EnEV wesentlich höhere Auflagen hinsichtlich der Energiekennwerte erfüllen, Problemkind ist und bleibt aber der Bestand: Derzeit liegt die Sanierungsrate in Deutschland bei lediglich einem knappen Prozent. Erst mit einer deutlichen Erhöhung der Quote um 40 Prozent im Gebäudebereich sind die Klimaziele der Regierung noch zu halten.

Die Hemnisse – Warum sind die Deutschen so sanierungsunwillig?

Eine Umfrage von Vaillant und der Deutschen Umwelthilfe unter knapp 1.000 deutschen Eigenheim- und Wohnungsbesitzern gibt Aufschluss. Für 68 Prozent der Befragten ist es wichtig, einen persönlichen Beitrag zur Energiewende zu leisten; 36 Prozent erachten den Tausch der Heizung und die Änderung des Heizverhaltens für den größten Hebel. Aber: Obwohl der Großteil der Heizgeräte veraltet ist, halten 39 Prozent der Umfrageteilnehmer ihr Gebäude für ausreichend effizient. Ein Drittel scheut die Modernisierung wegen der aktuell geringen Energiekosten. Umgekehrt kämen bei einem Austausch erst einmal Investitionen auf die Kunden zu. Vaillant kennt aus der Praxis ein typisches Verhalten: „Viele Endkunden setzen sich erst mit ihrer Heizungsanlage auseinander, wenn es zu spät ist und sie kaputtgeht“, weiß Verena Rausch, Leiterin Wärmepumpenvermarktung bei Vaillant. „Dann muss es oft schnell gehen und trotz Beratung fällt die Wahl häufig auf den 1:1-Austausch. Immerhin kommen dann moderne, effizientere Brennwertgeräte zum Einsatz, der Wandel zu den Erneuerbaren ist aber nicht vollzogen.“

Ein Anknüpfungspunkt könnte etwa das Altanlagenlabel sein, das seit Januar 2017 obligatorisch vom Schornsteinfeger angebracht werden muss, wenn das Heizgerät ein gewisses Mindestalter erreicht hat. Dass Unwissenheit einer der größten Stolpersteine ist, bestätigt auch die Umfrage: 56 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Informationen zu Förderprogrammen und Energiesparmöglichkeiten. Neben der Frage, ob die Verbraucher einen Nutzen im Kesseltausch sehen, steht immer wieder zur Debatte, ob die Politik genügend finanzielle Anreize setzt. Welche Schwerpunkte die Politik im Endeffekt an dieser Stelle setzen wird, hängt massiv vom Ausgang der aktuellen Koalitionsverhandlungen im Bund ab. Wird die Große Koalition fortgesetzt, können wir mit einer Kontinuität bei Umwelt- und Energiepolitik rechnen, obschon nicht gewiss ist, dass dieselben Minister der letzten Legislaturperiode die Verantwortung für diese Themen übernehmen werden.

Erfahrt am 07.02.2018 mehr zum Thema: Welche Lösungen bieten sich für eine erfolgreiche Wärmewende. Was denken die Fachleute? Ein Interview mit dem Vaillant Fachhandwerker Jan Nicolaisen.

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