Heizkurve
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Eine Frage der Einstellung: optimale Heizkurve, optimale Energieersparnis

 

Ihr möchtet Energie sparen und möglichst lange Freude an Eurer Heizung haben? Dann ist es sinnvoll, sich mit der Heizkurve zu beschäftigen. Warum? Erfahrt Ihr hier!

Wisst Ihr, was eine Heizkurve ist? Ganz ehrlich: Selbst unser Redaktionsteam hat das nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln können. Deshalb haben wir mit einem Experten gesprochen, unserem Kollegen Dominik Baar. Er ist Vermarktungsmanager Regelungs- und Systemtechnik bei Vaillant und kennt sich somit bestens aus.

Dominik, welche Bedeutung hat die Heizkurve für den Betrieb bzw. die Effizienz von Heizungsanlagen?

Dominik Baar: Eine optimal eingestellte Heizkurve bringt verschiedene Vorteile mit sich: Der Heizkessel muss weniger arbeiten, verbraucht weniger Energie und verschleißt langsamer. Die Taktung des Kessels – also das Ein- und Ausschalten – wird reduziert und der Nutzungsgrad steigt. Außerdem geht weniger Wärme im Heizkreislauf verloren. Besonders wichtig ist die Einstellung der Heizkurve in einem Wärmepumpen-System: Eine Verringerung der Vorlauftemperatur steigert die Effizienz der Wärmepumpe im Vergleich zu einem Heizkessel sogar überproportional.

Okay, verstanden! Und was bedeutet das in der Praxis?

Dominik Baar: Ein Gebäude wird grundsätzlich auf eine Systemtemperatur ausgelegt. Bei Heizkörpern zum Beispiel hat das Heizungswasser eine Vorlauftemperatur von 70 °C und eine Rücklauftemperatur von 55 °C. Bei einer Fußbodenheizung sind es  40 °C und 30 °C. Die ausgelegte Systemtemperatur ist aber nur bei der tiefsten Norm-Außentemperatur erforderlich, welche die DIN EN 12831 für verschiedene Regionen vorgibt. In Hamburg zum Beispiel beträgt die tiefste Norm-Außentemperatur -12 °C. Die Heizkurve sorgt dafür, dass der Wärmeerzeuger nicht ganzjährig 70 °C heißes Heizwasser bereitstellt, denn sie bestimmt die notwendige Vorlauftemperatur in Abhängigkeit von der aktuell gemessenen Außentemperatur.

Beispiel bei einer Heizkurve 1,2:

Bei einer Außentemperatur von -15 °C stellt der Wärmeerzeuger eine Vorlauftemperatur von ca. 67 °C bereit.

Bei einer Außentemperatur von +5 °C stellt der Wärmeerzeuger eine Vorlauftemperatur von ca. 44 °C bereit.HeizkurveWann wird die Heizkurve eingestellt? Bei der Installation der Heizung?

Dominik Baar: Der Fachhandwerker sollte die Heizkurve bei jedem neu installierten Wärmeerzeuger auf das Heizsystem abstimmen. Dies ist jedoch oft schwierig, da die Einstellung zeitaufwendig ist und er nur kurze Zeit im Haus ist. Außerdem erfordert das Finetuning Außentemperaturen von unter 5 °C. Eine mögliche Lösung ist, dass Ihr Euch von Eurem Fachhandwerker anleiten lasst.

Oftmals muss die Heizkurve später noch im Betrieb angepasst werden. Zum Beispiel, wenn ein Bewohner eines Mehrfamilienhauses in den Übergangszeiten friert, weil die Heizkörper nicht warm genug werden.

Kann ich die Heizkurve auch alleine einstellen?

Die Heizkurve wird meistens in einer Ebene des Reglers eingestellt, auf die nur der Fachhandwerker Zugriff hat. Dies ist grundsätzlich auch sinnvoll, da die Veränderung der Kurvenneigung gewisse Fachkenntnisse erfordert: Sie bestimmt, wie stark sich die Vorlauftemperatur bei steigenden oder sinkenden Außentemperaturen verändern muss. Daher würde ich stets Rücksprache mit meinem Fachhandwerker nehmen – außer, ich nutze den Funkregler Vaillant eRELAX zur mobilen Steuerung von Heizungsanlagen: Unser App-basierter Regler justiert die Heizkurve nämlich selbstständig nach. Parallel verschiebt Ihr die Heizkurve übrigens immer selbst – und zwar dann, wenn Ihr am Regler Eure Wunschtemperatur festlegt.

Vorlauf-/Rücklauftemperatur: Was ist das?

Die Vorlauftemperatur bezeichnet die Temperatur, mit der das von einer Gas-Heizung, Solarthermie etc. erwärmte Wasser in den Heizkreis bzw. die Heizkörper oder Fußbodenheizung geleitet wird. Die Temperatur des daraus herausfließenden Wassers nennt man Rücklauftemperatur.

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12 Kommentare

Karl-Walter Bär

Der Sinn und Zweck der Heizkurve ist hier recht anschaulich beschrieben. Doch anscheinend sind das für einige, wenn nicht sogar viele „Fachhandwerker“ Böhmische-Dörfer. Das musste ich auch vor einigen Jahren beim Einbau unserer Vaillant Hydrotherm aura compact mit Solarunterstützung feststellen. Nach Inbetriebnahme bat ich den Monteur eine Einstellung der Steuerung auf den Bedarf des Hauses vorzunehmen und erhielt die Antwort: dies sei vom Werk vorgegeben und dürfe nicht verändert werden, wegen der Garantie! Der Chef der Heizungsfirma bestärkte sogar noch diese Aussage seines Monteurs. Das zeugt nicht von allzugroßem Fachwissen!
Ich möchte dazu anmerken, dass ich lange Zeit in einem großen Norddeutschen Elektrotechnischen-Betrieb unteranderem für die Firma Buderus Heizungssteuerungen geplant und gefertigt habe und mich mit dieser Materie auskenne. Ich habe dann in Eigenregie zuerst die Kennlinie von der Werkseinstellung 1,2 auf 1; dann später auf 0,8 und zuletzt bis heute auf 0,6 eingestellt. Mit großem Erfolg, das Haus ist ausreichend gut beheizt und der Gasverbrauch dadurch erheblich reduziert worden.

21 grad Redaktion

Hallo Karl-Walter,

danke für das Teilen Deiner Erfahrungen. In der Regel ist der Heizungsfachmann mit der Funktionsweise der Heizung vertraut, kann diese erklären und natürlich auch einstellen. Leider gibt es natürlich auch hier Ausnahmen. Anscheinend hast Du dann mit einer solchen Ausnahme Erfahrungen sammeln müssen. Super, dass Du Dir aufgrund Deiner Erfahrung hier selbst weiterhelfen konntest und mit dem Ergebnis nun zufrieden bist. Grundsätzlich empfehlen wir jedoch immer einen Heizungsfachmann für die Einstellung der Heizkurve hinzuzuziehen. Insbesondere dann, wenn nicht so viel Hintergrundwissen vorhanden ist, wie in Deinem Fall.

Liebe Grüße
Dein 21 grad Team

Klaus Thaler

Hallo

Danke für für diesen Artikel👍
Ich komme selbst vom Fach und kenne mich damit sehr gut aus. Leider muss ich aber eine gewisse Inkompetenz in Fachkreisen bestätigen. Viele, wenn nicht fast alle meiner Kollegen haben nicht wirklich Ahnung von Heizungen welche sie gerade verbauen. Stellenweise sogar alte Heizungsbauer. Heizkurven und Ausdehnungsgefäße…was ist das bitte!?😬 Traurig. Kann nur besser werden
#optimistich

Bernd Scheithauer

Hallo, dass der Begriff Heizkurve von Endkunden oft gesucht wird ist bekannt. Ein Begriff, der dem Endkunden sugeriert, seine Heizungsanlage selbst optimieren zu können. Das funkioniert aber nur, wenn VORHER ein Fachmann die Anlage nach der Theorie eingestellt hat: Raumweise Heizlast ermittelt, Heizflächenleistung bestimmt (Annahme Vor-/Rücklauftemperatur), Überdimensionierungsfaktoren bestimmt, neue Systemtemperaturen auf den Wärmeerzeuger abgestimmt. Dann erst „darf“ der Betreiber, nach dem er weis was er macht, sich um die Anlagendynamik kümmern. Dies ist ein sehr komplexes Thema: Hierzu weitere Informationen: http://www.hydraulischer-abgleich.de/deu/0_none/9_Die-Heizkurve–Vorlauftemperatur/15_Die-Heizkurve–Vorlauftempera.html

21 grad Redaktion

Hallo Bernd,

danke für Deine Ergänzung. Du hast absolut recht, es ist ein komplexes Thema. Deshalb war uns auch wichtig einen Artikel hierzu bereitzustellen, in dem deutlich wird, dass für die Einstellung der Heizkurve etc. ein Fachmann hinzugezogen werden sollte. Viele bestehende Artikel zu dem Thema vernachlässigen diesen Aspekt.

Liebe Grüße
Dein 21 grad Team

Michael

Vielen Dank für den guten Artikel. Eine wichtige Frage hätte ich gerne beantwortet. Kurze Vorgeschichte: Vor zwei Jahren habe wir uns ein älteres Massivhaus gekauft und seitdem stelle ich Stück für Stück die Gasheizungsanlage ein – also natürlich nur was mir als technisch interessierter Laie möglich ist. Es ist eine Vaillant VKS21 e die laut Recherchen um den Faktor 2 überdimensioniert ist. Das Haus benötigt ca. 9 KW und der Kessel hat aber 20,7 kW Nennleistung. Unser Verbrauch ist von rund 30.000 kWh auf 21.000 kWh gesunken. Wir hatten die Verbräuche vom Vorbesitzer von 4 Jahren zuvor. Die doch ordentliche Ersparnis ergab sich aus der Reduzierung der Vorlauftemperatur mit der Heizkurve von ehemalig 5 auf 3 , dann auf 1 und jetzt III. Die 5 hatte eine Vorlauftemperatur von 55 °C bei Außentemperatur von 0 °C und die jetzige III hat 40 °C bei 0° C Außentemperatur. Die Räume sind nun alle zwischen 20 und 21 °C warm. Und seit der III schalten wir keine Nachtabsenkung mehr. Wir fühlen uns richtig wohl aber eine Frage treibt mich jetzt sehr um: Was ist jetzt mit der Kondensatproblematik im Brenner durch die geringe Rücklauftemperatur von ca. 35 °C ? Ich lese immer das senken der Vor- und Rücklauftemperatur ist so weit das Wohlbefinden nicht gestört ist, zur Energieersparnis die richtige Richtung. Können Sie mir hier helfen? Danke!

21 grad Redaktion

Hallo Michael,

vielen Dank für Deinen Kommentar. Es freut uns, dass Dir unser Blogbeitrag gut gefallen hat.
Bezüglich Deiner Frage würden wir Dich gerne an unsere Experten vom Kundenservice verweisen. Schicke uns doch bitte Deine Kontaktdaten (Name, Adresse und Telefonnummer) an folgende Mailadresse: socialmedia@vaillant.de.
Wir leiten Deine Anfrage dann entsprechend weiter und unser Kundenservice meldet sich telefonisch bei Dir.

Viele Grüße
Dein 21 grad Team

Michael grün

Hallo an alle,
könntet Ihr auch mal einen Artikel zum Problem Wunschtemperatur am Regler und Thermostate an den Heizkörpern schreiben oder mir und evtl. anderen hier direkt weiterhelfen.
Folgendes Problem in Stichworten:
ecoTecPlus mit eingebautem Regler calorMatic 470; ein Heizkreis; Fußboden und Wandheizung; Ferienwohnung; Gäste ohne Zugang zum Regler, aber zu den Thermostaten in den Räumen.
Einstellung im Winter (ohne Gäste):
– Wunschtemperatur am Regler 20°C;
– alle Raumthermostate (FB und WH) auf 12°C;
Ergebnis: Heizungsausfall durch „Verblasen des Wassers“-Zitat des von Vaillant zertifizierten Monteurs- über den Schnellentlüfter, „weil die Heizung keine Tmperatur abnehmen kann.“ Tatsächlich rostbraune Wasserstreifen an der Wand unter der Therme.
Lösung des Monteurs: (Irgend-)Ein Thermostat auf 5 stehen lassen (keine Raumaufschaltung!). Wie verträgt sich das mit der Energieeinsparung und den Hinweisen im Punkt 6.4 auf S. 35 der Betriebsanleitung calorMatic 470/2.

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen
Michael

21 grad Redaktion

Hallo Michael,

vielen Dank für Deine Anregung. Wir werden das Thema in jedem Falle mal in unserem Redaktionsplan mit aufnehmen und überlegen, wie wir es am besten aufbereiten können. Zum konkreten Fall: Hier ist Dein Heizungsfachmann tatsächlich der beste Ansprechpartner, da er die Vor-Ort Bedingungen kennt. Wir informieren Dich, sobald der Artikel hierzu fertiggestellt ist.

Liebe Grüße
Dein 21 grad Team

oki

Hallo zusammen

Ich habe mal ne Grundsätzliche Frage… wir haben in unserem Haus vor 3Wochen einen LuWP AroTherm 115 von Vaillant die Bivalent mit der Gasheizung läuft verbaut. Die Steuerung wurde initial im Keller verbaut und fer Monteur meine er stellt dirle Heizkurve ein.. im Steuergerät befindet sich aber auch ein Raumtemperaturfühler. Ich habe dann darauf bestanden, dass er das Gerät in den Wohnraum verlegt und die Heizung via Raumfühler läuft und nicht via Heizkurve… die kann ich ja immer noch aktivieren. Was ist den nun besser Raumfühler oder Heizkurve?

21 grad Redaktion

Hallo Oki,

wir kennen die Bedingungen bei Dir vor Ort nicht im Detail, aber grundsätzlich lässt sich beides miteinander kombinieren, sodass es hier kein besser oder schlechter gibt. Das Ganze ist dann eine witterungsgeführte Regelung mit Raumaufschaltung. Dies wäre dann wahrscheinlich für Dich die optimale Option. Hierzu solltest Du Dich aber lieber noch einmal genau bei Deinem Heizungsfachmann erkundigen, damit alle Einstellungen auch richtig vorgenommen werden.

Liebe Grüße
Dein 21 grad Team

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